Nicht drei, sondern sechs Frauen.

Das BMW Motorrad International GS Trophy Female Team Qualifying 2017.

Das BMW Motorrad International GS Trophy Female Team Qualifying 2017 endete mit einer Überraschung. Nach dem viertägigen Wettbewerb auf dem Gelände der Country Trax Off Road Riding Academy nahe Amersfoort in Südafrika setzte sich nicht nur ein Team durch, sondern es qualifizierten sich gleich zwei Frauenteams für die sechste BMW Motorrad International GS Trophy, die im Juni 2018 in der Mongolei stattfinden wird.

TAG 1 – MONTAG, 13. NOVEMBER 2017

23 Teilnehmerinnen aus 13 Ländern kamen auf dem Country-Trax-Gelände an, wo sie willkommen geheißen wurden. Darunter befanden sich auch zwei Teilnehmerinnen des internationalen Frauenteams der 2016 GS Trophy, Amy Harburg und Morag Campbell, die nun Botschafterinnen für BMW Motorrad GS sind. Die Begrüßung fiel relativ kurz aus, da die Teilnehmerinnen gemäß der Tradition der GS Trophy sofort in die erste Challenge starten mussten. Wie schon bei der Qualifikation 2015 bestand die erste Aufgabe darin, die Zelte zu errichten (die Unterkunft für die Dauer des Wettbewerbs) und die Fahrerausstattung anzulegen – gegen die Uhr. Bei diesem Wettbewerb gewann das australische Duo Andrea Box und Julia Maguire mit überzeugendem Vorsprung.

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Prüfungen gegen die Zeit.

Prüfungen gegen die Zeit.

Nach diesem Campingwettbewerb suchten die Teilnehmerinnen schnell ihre Bikes aus – zur Auswahl standen verschiedene Modelle der R 1200 GS und R 1200 GS Rallye – und machten sich für die anstehenden drei Tests bereit. Bei dem ersten Test mussten die Fahrerinnen das Motorrad mit nur einer Hand ausbalancieren – mit dem Seitenständer oben – während sie zweimal um die Maschine herumgingen. Kein anderer Körperteil durfte das Bike berühren. Bei der zweiten Prüfung ging es darum, einen 25 Meter langen Grashügel hinauf zu rennen (in voller Fahrermontur), dann wieder hinunter zu rennen, das auf der Seite liegende GS aufzuheben und mit dem Motorrad den Hügel bis zu einer „Stopp-Box“ wieder hochzufahren. Beide Tests waren ein Wettlauf gegen die Zeit. Die letzte Prüfung war ein Fahrtest mit verbundenen Augen: die Fahrerinnen mussten blind den Grashügel hinauffahren und an dem Punkt anhalten, der ihrer Meinung nach möglichst nahe am Zielpunkt lag. Hier gewannen die Fahrerinnen, die bei ihrem Stopp dem Ziel am nächsten waren.

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Ich kann nicht sagen, dass wir hierfür geübt haben, aber Camping ist ein wichtiger Bestandteil der australischen Kultur, daher sind wir sowohl durch Campingferien mit der Familie als auch Veranstaltungen wie die GS Safari sehr geübt im Aufschlagen von Zelten. Es ist einfach etwas, womit wir uns gut auskennen. Es ist großartig, so einen guten Start zu haben!

Andrea Box (Australien)

Starkwind und heftiger Regen.

Da 23 Teilnehmerinnen ausgewertet werden mussten, wurden diese Tests in drei rotierenden Gruppen durchgeführt. Über der südafrikanischen Steppe war jedoch ein starkes Unwetter aufgezogen, das die Teilnehmerinnen gleich von Beginn an heimsuchte. Trotz starkem Regen und Blitzen kämpften sie sich dennoch tapfer durch die erste Runde. Als dann jedoch der Sturm noch an Kraft zunahm und definitiv gefährlich wurde, musste die Durchführung der zweiten und dritten Runde auf den nächsten Morgen verschoben werden.

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TAG 2 – DIENSTAG, 14. NOVEMBER 2017

Der zweite Tag des BMW Motorrad International GS Trophy Female Team Qualifier erwies sich als sehr lang und anstrengend. In einem wahren Prüfungsmarathon, der bereits um 7 Uhr begann und erst um 17 Uhr zu Ende war, mussten sich die 23 Teilnehmerinnen harten Bewährungsproben unterziehen. Der Wettbewerb erhielt an diesem Tag auch noch eine besondere Schärfe, da den Frauen beim Frühstück mitgeteilt wurde, dass am Ende des Tages einige Teilnehmerinnen aussortiert werden würden. Für die neun schwächsten Fahrerinnen würde dies der letzte Tag der Qualifikation sein. Und für die restlichen 14 Teilnehmerinnen sollte der Wettbewerb zunehmend härter werden, schließlich wollte das Kampfgericht bereits am nächsten Tag die Allerhärtesten aussuchen, die im Juni 2018 in die Mongolei reisen würden.

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Kontrolle und Koordination ist alles.

Kontrolle und Koordination ist alles.

Zu den Tests gehörte ein Slalomkurs durch Tiefsand, bei dem die fittesten und technisch versiertesten Fahrerinnen glänzen konnten. Die schnellsten Teilnehmerinnen machten sich Geschwindigkeit und Technik zunutze – und zeigten natürlich auch einiges an Wagemut, da sich das Vorderrad in den Tiefsand bohren und das Motorrad zu einem plötzlichen und manchmal schmerzvollen Stopp bringen konnte. In verschiedenen Labyrinthen aus Holzstämmen stellten die Teilnehmerinnen daraufhin ihren geschickten Umgang mit dem Gasgriff und ihre Balance unter Beweis. In diesem „Log-Park“ war Trial-Fahrtechnik gefragt und nur die Gewinnerinnen konnten hier bestehen. In „Dirk Roetes’ Garden“ waren stattdessen Rutschwenden verlangt, da die Kurven dort enger als der Wendekreis einer GS waren. Zum Schluss gab es noch eine weitere Herausforderung für die Koordination der Fahrerinnen: die Teilnehmerinnen mussten ihre Räder durch eine liegende Acht führen, während sie daneben standen und das Rad mit nur einer Hand auf dem Lenker auf der Kupplungsseite stützten.

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Die Auslese: aus 23 werden 14.

Die Auslese: aus 23 werden 14.

Am Nachmittag verließen die Teilnehmerinnen das Parcours-Gelände für eine Tour auf dem 600 Hektar großen Country-Trax-Areal. Auf der Strecke mussten sie einen steilen Aufstieg bewältigen, der von dem Erbauer des Enduro-Parks, Jan du Toit, mit einem Bulldozer aufgetürmt worden war. Diese Geländefahrt stellte sich anschließend als Aufwärmtraining heraus, da die Frauen zu ihrer Überraschung erfuhren, dass sie in zwei Gruppen aufgeteilt und an zwei Zeitrennen teilnehmen würden. Schließlich wurden die Ergebnisse des zweitägigen Wettkampfs verkündet. Stefan Boshoff, einer der Organisatoren der Veranstaltung, konnte mit den ausgeschiedenen Teilnehmerinnen mitfühlen: „Es ist sehr schwer, diesen Frauen sagen zu müssen, dass sie es nicht weiter geschafft haben. Man möchte so etwas lieber vermeiden, aber wir müssen daran denken, warum wir hier sind – um die stärksten Teilnehmerinnen herauszufiltern.“ Nach dieser Bekanntgabe erhielten die 14 verbleibenden Frauen die Anweisung, sich sofort wieder bereit zu machen, da nun eine nächtliche Navigations-Challenge in drei Gruppen anstand, die um 22 Uhr begann und 25 km auf einer GPS-geplotteten Offroad-Strecke durch das Ackerland von Country Trax führte. 

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DAY 3 – WEDNESDAY 15 NOVEMBER, 2017

An diesem Morgen ging es sofort los: zuerst mussten die Hinterräder ausgewechselt werden, teilweise unter einer Abdeckung, da das Wetter wieder von Regen und Wind bestimmt wurde. Daraufhin folgte ein „Slow Race“ über den Rasen vor dem Country-Trax-Komplex. Als der Regen zumindest etwas nachließ, konnten zwei Challenges am Rand des Buschlands durchgeführt werden, das an den Komplex angrenzt. Der erste Test nannte sich „Log Grind“ (Baumschleifen): dabei mussten die Frauen durch zwei wassergefüllte Gräben fahren und ihre GS anschließend auf einen langen Mast hieven (der auf dem Boden lag) und auf ihm entlang fahren. Diese Prüfung ist bereits unter guten Bedingungen sehr hart, aber an diesem Tag war der Lehmboden durch den andauernden Regen eisglatt geworden und bot keinerlei Halt.

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Runden und Wenden ohne Crashs.

Runden und Wenden ohne Crashs.

Bei der zweiten Prüfung mussten die Teilnehmerinnen mit ihrer Gashand einen sich drehenden Pfosten an einem Ende festhalten und zwei komplette Umdrehungen mit angehobenen Füßen fahren. Anschließend stand eine in Südafrika sehr beliebte Fahrprüfung auf dem Programm: die Elefantenwende. Es galt, 100 Meter bis zu einem 180-Grad-Wendepunkt zu fahren und anschließend zurück zum Ausgangspunkt zu rasen. Danach mussten zwei Runden eines Kurses absolviert werden, der als „Davidstern“ bezeichnet wird und wie das restliche Gelände durch den Regen total durchweicht war. Es galt, zwei Runden ohne Crash innerhalb eines engen Zeitrahmens zu schaffen – was nur einer Handvoll Frauen gelang.

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Schneller und hastiger Rückzug.

Wie immer ist bei der GS Trophy stets etwas los und die Teilnehmerinnern mussten sich quer durchs Gelände zu zwei entfernt ausgetragenen Tests aufmachen. Eine Prüfung bestand darin, über zwei sich gegenüberliegenden Hügeln eine liegende Acht zu fahren, bei der anderen handelte es sich um einen Notbremstest. Angesichts der Bedingungen (durchnässter Lehmboden) war keine der Herausforderungen einfach, aber die Besten der Besten stachen durch ihren enormen Wagemut heraus. Unmittelbar nach diesen Tests musste die Veranstaltung wegen der extremen Wetterbedingungen erneut unterbrochen werden, und die Rückfahrt zum Country-Trax-Komplex wurde selbst zu einer harten Prüfung, da die Strecke über rutschige steile Hügel und eisglatte Lehmpisten führte. Die Fahrerinnen schafften es jedoch wohlbehalten zurück, nicht ohne einige spektakuläre Rutschmanöver und Abstiege im Schlamm. Die Begleitfahrzeuge der Veranstalter hatten es jedoch noch schwerer, da ihre Räder ständig durchdrehten und sie in alle Richtungen rutschten. Nach diesem weiteren langen Wettbewerbstag wurden zum zweiten Mal einige Fahrerinnen aussortiert: von den 14 übrig gebliebenen Teilnehmerinnen würden nur noch neun am letzten Wettbewerbstag antreten. 

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TAG 4 – DONNERSTAG, 16. NOVEMBER 2017

Der Tag begann mit zwei Herausforderungen, die direkt hintereinander ausgeführt wurden. Zuerst mussten die Frauen durch ein dichtes Strohballenlabyrinth fahren, das nur einen Ausgang auf der Rückseite hatte. Das hieß, dass die Teilnehmerinnen ihre Bikes anhalten und 25 Meter zurück zum Ziel schieben mussten. Danach stand eine Team-Challenge an: die neun Frauen wurden in drei Dreierteams aufgeteilt, die eine GS auf einen riesigen umgestürzten Baumstamm heben mussten Anschließend gab es eine kurze Frühstückspause, bevor das große Finale anbrach: ein Parcours mit einer Wippe, dem „Log Grind“, der Elefantenwende und Abschnitten mit Eisenbahnschwellen. 

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Als es hieß, dass es ein zweites Team geben würde, musste ich meine Freude laut herausschreien!“

Linda Steyn (Südafrika)

Veränderte Denkweise.

Veränderte Denkweise.

Die Qualifikation endete mit einer Überraschung: bei der sechsten International GS Trophy in der Mongolei werden nicht nur drei, sondern sechs Frauen antreten. Das Fahrkönnen bei dieser Veranstaltung war so gut, dass sich das Team von BMW Motorrad zu einer Verdoppelung entschloss und zwei internationale Frauenteams mitnehmen wird. Die sechs Gewinnerinnen sind Ezelda van Jaasveld (Südafrika), Julia Maguire (Australien), Sonia Barbot (Frankreich), Jocelin Snow (USA), Linda Steyn (Südafrika) und Bettina Nedel (USA).

Svenia Ohlsen, Leiterin von Brand Experience BMW Motorrad, fasste die Veranstaltung folgendermaßen zusammen: „Wir waren wirklich sehr beeindruckt von den herausragenden Fahrleistungen der Frauen und ihrer mentalen Stärke unter diesem Druck. Dadurch mussten wir umdenken und als der letzte Wettbewerbstag anstand, wussten wir zwar, dass wir nicht alle mitnehmen können, die wir wollten, aber dass wir bei dem ursprünglichen Plan, nur drei mitzunehmen, eine großartige Chance verpassen würden. Darum wollten wir unseren Plan gerne ändern und die besten sechs Frauen mitnehmen.”

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Die anderen Finalistinnen, die an dem Int. GS Trophy Female Team Qualifier 2017 teilgenommen haben, waren Jessica Leyne (Frankreich), Marion Linder (Deutschland), Louise Hodgkinson (UK), Stephanie Schinkel (Mexiko), Andrea Box (Australien), Leticia Benitez (Mexiko), Gritt Ahrens (Deutschland), Khai Zabidin (Malaysia), Ai Mizutani (Japan), Valerie Heroux (Kanada), Camila Mejia (Kolumbien), Sun Renhui (China), Wanwisa Phirom (Thailand), Kirsty Hodges (UK), Louise Mitchell (Kanada), Xiaomin Li (China) und Yoshida Miko (Japan).

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Die Teams

Hier findest du die beiden Frauenteams, die die Qualifikation erfolgreich absolviert und einen der hochbegehrten Plätze bei der Int. GS Trophy 2018 errungen haben

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